Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich letztes Wochenende auf dem Barcamp-Hannover an einer Diskussions-Session (Streitgespräch war es nicht, dazu waren wir uns viel zu einig) zum Thema “Zahlenfetischismus und Meßbarkeit von Online Communities” aktiv teilgenommen habe. Zusammen mit Dr. Kai-Uwe Hellmann (Soziologe) und Michael Ellensohn (internetszene.com) diskutierten wir über die aktuellen Zahlenspiele der Communities im Internet. Ich vertrat die Betreiber-Sicht. Schon im Vorgespräch ergab sich, dass wir drei Streitgesprächsteilnehmer eigentlich einer Meinung waren, natürlich gab es Nuancen in der sich die Sichtweisen unterschieden.
Einig waren wir uns, dass die Aussagekraft XX Mitglieder zu haben fast gen Null tendiert, denn allein das sagt nichts über die Interaktion der Mitglieder aus. Gerade bei älteren Communities, so berichtete Kai-Uwe Hellmann sei ein Verhältnis aus 90% inaktiven Mitgliedern, 9% aktiven und einem Prozent Fans normal. Schaut man zum Beispiel die Zahlen von Second Life an, so bestätigt sich dieser Wert. Auch bei amprice haben wir diese Tendenz. Ich erinnere mich noch gut, was passierte, als wir eine dreistellige Zahl inaktiver Mitglieder gelöscht haben. Durch unser Forum ging ein Aufschrei: Wie blöd seid Ihr denn? Dass wir fast täglich inaktive Mitglieder löschen, merkt dagegen keiner. Wir wollen damit erreichen, dass bei amprice diese 90/9/1 Verteilung nicht greift. Unser Mitgliederservice freut sich, deutlich bessere Werte nennen zu können. In den letzten 12 Monaten haben rund 30% der Mitglieder mehr als einen Artikel gekauft oder verkauft.
Ähnlich ist es mit den Besucherzahlen. So waren wir uns auch einig, dass zur Bewertung von Communities andere Messgrößen herangezogen werden müssten.
Sicher würden manche Zahlenkonstrukte wie ein Kartenhaus zusammenbrechen, wenn der Aktivitätsindex gemessen würde. Dennoch sind wir dafür, denn dadurch liesse sich eine Vergleichbarkeit herstellen. In allen Handelscommunities käme noch Umsatz pro Mitglied dazu, oder Conversion-Rate Besucher/Käufe. Unsere Konversion-Rate bei BA und amprice ist leicht rauslesbar: Sie liegt bei etwa 1% – das ist noch nicht ausreichend, liegt aber an dem noch lückenhaften Angebot in vielen Kategorien.
Unsere Wettbewerber sind zum Teil sehr kreativ in der Zahlenakrobatik: Gerade hatte ich ein Gespräch, wo mir ein Mitglied sagte, dass er jetzt wisse, dass die Zahlen eines anderen Hauses nicht stimmen könnten, er erklärte mir genau, wie er das ermittelt hatte und sagte abschließend, dass dieses Haus sein Vertrauen verloren habe. Und gerade das Vertrauen ist in unserem Markt wichtig.
Ich habe in der Diskussion gesagt, wie sehr es mich in den vergangenen zwei Jahren geärgert hat, wenn unsere Zahlen mit den Zahlen eines Wettbewerbers verglichen wurden, die offensichtlich falsch waren. Aber machen kann man bislang dagegen nichts, denn es sieht auch nicht gut aus, wenn man bei anderen sagt, dass die Zahlen nicht stimmen. Also schweigt man…
Ergebnis der Session war, dass wir einen Standard brauchen, nachvollziehbare Messgrößen, die nicht gefaked werden können und daher eine Aussagekraft entwickeln, die darüber Aufschluß gibt, ob und wie stark tatsächlich eine Community genutzt wird.
Zu dem Gespräch gibt es auch gute Beiträge meiner Diskussionspartner:
Dr. Kai-Uwe Hellmann im Blog Commercial Communities
und

29.02.2008
admin
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[...] Mitstreiter war übrigens noch Markus Burgdorf. [...]
[...] Auch Kai-Uwe Hellmann und Markus Burgdorf haben zu unserer Community-Session gebloggt. Veröffentlicht von Michael Ellensohn Abgelegt [...]
[...] dass im Markt für Social Networks Bedarf besteht an einer neutralen Instanz, die Benchmarks zu alternativen Messgrößen einholt und in anonymisierter Form verteilt – schon allein, um die Systemkatastrophe zu [...]
[...] ich im ersten Teil kurz das Ergebnis unserer Session “Zahlenfetischismus und Communities” auf dem BarCamp Hannover zusammengefasst habe, [...]